Vorwort

Weshalb wir in bestimmte Lebensumstände hineingeboren wurden und woher unsere Namen stammen sind Fragen, die uns alle irgendwann beschäftigen. Als Nachkomme einer alten Salzachschifferfamilie aus Laufen und Oberndorf habe ich deshalb versucht, herauszufinden wer meine Vorfahren waren, wie sie lebten, wie sie von ihrer Umwelt wahrgenommen wurden und welche Tradi­tionen auf sie zurückgehen.

Besondere  Umstände machen es möglich, dass wir die Schifferfamilie Lobensommer bis in das Spätmittelalter zurückverfolgen können. Über fünf Jahrhunderte war die Familie in der Stadt Laufen, in Obslaufen und in den ehemaligen Laufener Vororten Oberndorf und in der Altach ansässig. Laufen war Teil des Fürsterzbistums Salzburg, das als Kirchenstaat von 798 bis 1803 bestanden hatte. Die politische Macht lag in dieser Zeit in den Händen des Erzbischofs. Die Salzschiffer, die sich schon im Mittelalter in einer eigenen Standesvertretung organisiert hatten, waren in ihrer Mehrheit einfache Leute. Daran ändert auch der Sachverhalt nichts, dass einige Schifferfamilien, darunter auch die Familie Lobensommer, vom 15. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert in der Stadt Laufen Bürgerrechte besessen haben.

Eine Familienchronik, in der die Protagonisten einfache Leute sind, wird sehr schnell auf eine Liste von Geburts-, Heirats- und Sterbedaten reduziert. Man kann sich glücklich schätzen, wenn es gelingt, eine Stammlinie zu erstellen, die sich über einen Zeitraum von mehreren Jahrhunderten erstreckt. Über das Leben der Schiffer wurde wenig schriftlich festgehalten und die häufige Wie­derholung der Vornamen innerhalb der Generationen macht heute die Zuordnung von Kindern und Eltern äußerst schwierig.

Die Geburts-, Heirats- und Sterbedaten bekommen erst dann eine Bedeutung, wenn man sie in den jeweiligen historischen Zusammenhang stellt. Die vorliegende Familienchronik ist deshalb in erster Linie eine Zusammenfassung der Geschichte von Laufen und Oberndorf, in welcher die Mitglieder der Schifferfamilie Lobensommer von Fall zu Fall in Erscheinung treten.

Der Salzhandel und die damit auf das engste verbundene Schiffahrt auf der Salzach bildeten über Jahrhunderte hinweg die wirtschaftliche Grundlage der Stadt Laufen und ihrer ehemaligen Vororte Oberndorf und Altach. Ich halte es daher für angemessen, in dieser chronologischen Zusammenstellung der Schiffahrt und dem Schiffbau  einen gebührenden Platz einzuräumen.

Die Chronik reicht vom Spätmittelalter bis 1883. In diesem Jahr hat sich mein Urgroßvater, der Schiffersohn Jakob Lobensommer aus Oberndorf, mit Anna Obis aus Teisendorf verehelicht. Er war der erste in meiner Familie, der auf Grund wirtschaftlicher Zwänge die jahrhundertealte Schiffertradition aufgeben musste und in den Bauernstand überwechselte. Jakob Lobensommer, vulgo Wastenvater, ist 1925 als angesehener Bauer und Viehhändler im Alter von dreiundsiebzig Jahren in Zell bei Lauter, Gemeinde Wonneberg gestorben. Das Ende der Tradition der Schifferfamilie wurde aber mit dem Tod von Thomas Lobensommer besiegelt, der als letzter Salzschiffer aus der Familie Lobensommer im Jahr 1871 in der Altach gestorben ist.

Mein besonderer Dank gilt den Herrn Hans Roth und Heinz Schmidbauer aus München und Laufen und Herrn Herbert Lämmermeyer aus Oberndorf. Ohne die große Hilfe dieser drei Experten zur Stadtgeschichte von Laufen und Oberndorf wäre es nicht einmal in Ansätzen möglich gewesen, die Geschichte der Schifferfamilie Lobensommer in Erfahrung zu bringen. Herrn Dr. Erich Marx, Direktor des Salzburger Museums Carolino Augusteum, danke ich für die Transkription der alten Urkunde, in der erstmals die Schifferfamilie Lobensommer nachgewiesen wird.

 

Der Beitrag über die ehemaligen Lobensommer-Häuser in Laufen und Oberndorf ist nur in der Druckversion der Chronik verfügbar. Diese Druckversion ist nur den Mitgliedern der Familie Lobensommer zugänglich.

 

Die Chronik ist besonders noch dort unvollständig, wo es sich um Angaben zu meinen Vorfahren handelt. Ich hoffe, dass sich in der Zukunft die eine oder andere Lücke schließen lässt. Die vorliegende Zusammenstellung kann trotz dieses Mangels den Nachfahren der alten Schifferfamilie einen guten Einblick in die Lebensumstände ihrer Ahnen vermitteln. 

 

Die erste Online-Version dieses Textes wurde im August 2004 veröffentlicht. Eine Überarbeitung und Aktualisierung erfolgte im Jahr 2007. Im Mai 2017 wurde die Seite so umgestaltet, dass sie nun auch mit einem Tablet-PC oder einem Smart-Phone gelesen werden kann.

 

Das Bild im Kopf der Seite ist ein Ölgemälde aus der Zeit um 1840 aus dem Bildband "Die Salzachbrücke zwischen Laufen und Oberndorf" von Horst Hieble (Auflage von 2003). Es zeigt die Stadt Laufen vor dem Hintergrund der Alpen. Am linken Rand ist die alte Kirche St. Nikolaus in Oberndorf zu sehen. Am unteren Rand des Bildes sind die Dächer der damaligen Oberndorfer Häuser am Salzachufer zu erkennen, die wegen der immer wiederkehrenden Hochwässer der Flußregulierung weichen mussten.

                                            

 

Hans Lobensommer,   Garching b. München, Mai 2017

                                                                                                                                                                                           

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